Familienzusammenführung quer durch Europa bis nach Meerbusch

Es erfüllt uns mit großem Stolz, dass eine Familie endlich wieder zusammen ist und der Geburt nun nichts mehr im Wege steht.
Mohammed* wagte vor vier Monaten den gefährlichen Weg heraus aus Syrien und kam zu uns nach Meerbusch. Seine schwangere Frau und seine kleine Tochter waren zu diesem Zeitpunkt noch einigermaßen sicher. Als die Lage sich dann vor einem Monat zuspitzte und ihnen die Bomben sprichwörtlich um die Ohren flogen, flohen auch sie.
Ausgerechnet an dem Wochenende, als die Grenze zwischen Österreich und Deutschland teilweise geschlossen war, kamen die mittlerweile im achten Monat schwangere Maram* mit ihrer 18 Monaten alten Tochter dort an.
Mohammed* hatte Telefonkontakt und wir rieten seiner Frau, zum Grenzschutz zu gehen und jedem, aber auch wirklich jedem immer wieder zu sagen: „My husband is in germany, in Meerbusch near Düsseldorf!“
Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis man Maram nach Deutschland einreisen ließ. Durch die unübersichtliche Lage und die vielen Menschen wurde sie mit ihrer Tochter aber in eine zentrale Erstaufnahme nach Sachsen-Anhalt gebracht.
Im Telefonkontakt rieten wir erneut, jedem, aber auch wirklich jedem zu sagen: „My husband ist in Meerbusch, near Düsseldorf!“
Plötzlich bestand die Chance, wahrscheinlich einer der wenigen, die es für Tage gab: Wir konnten mit Mitarbeitern in Halberstadt telefonieren und endlich persönlich eingreifen. Maram* hatte das Handy kurzerhand einer Betreuerin in die Hand gedrückt. Wir erklärten die Situation, wurden weiter gereicht an die „Hahloo, hier ischst die Bolizei“ und wieder baten wir um Hilfe. Dann der vorläufige Durchbruch: Wir erhielten die Handynummer der Einrichtungsleitung und Sekunden später hatten wir sie angewählt. Parallel informierten wir die Stadtverwaltung Meerbusch und gaben die ersten Daten bekannt.

Problem in Halberstadt: Die neu angekommenen Flüchtlinge wurden erst Tage später registriert. Jemand, den es im System nicht gibt, kann man auch nicht verlegen. Zumal die Bezirksregierung Düsseldorf mit eingeschaltet werden muss.
Nach erfolgter Registrierung kam Maram* einige Tage später in NRW an. Klasse, dachten wir, aber sie war in Bonn gelandet. Hochschwanger! Wieder liefen die Drähte heiß, Mitarbeiter der Stadtverwaltung wurden mit Daten, Telefonnummern und Adresse der Einrichtung aus Bonn versorgt und klemmten sich dahinter. Kleinere und größere Hindernisse wurden aus dem Weg geräumt, bis es jetzt endlich hieß: Maram* und ihre Tochter können kommen!
Tja, und nun kamen sie. Mohammed*, Maram* und ihre Tochter sahen sich endlich wieder und schlossen sich in die Arme!
Bald wird dann auch das Baby geboren, sicher bei uns. „Wenn es ein Mädchen wird, nennen wir es Angela“, verriet uns Mohammed. So wie Angela Merkel.
Wir freuen uns mit der Familie und bedanken uns herzlich, insbesondere bei den tollen Mitarbeitern der Stadtverwaltung im Fachbereich Soziales!

* = Namen geändert